Ein Schiff voller Gleichgesinnter
Es begann mit einem Preis, der keinen Sinn ergab: 150 Euro. Neun Tage. Atlantik. Brasilien.
Ein Angebot, das man nicht plant, sondern über das man stolpert. Und genau deshalb klickt man es an.
Eine Kreuzfahrt stand nicht auf unserer Wunschliste. Eigentlich stand sie auf keiner Liste. Aber dieser Preis tat etwas Merkwürdiges: Er zog Menschen an, die niemals eine Kreuzfahrt machen würden. Backpacker, Langzeitreisende, Neugierige. Menschen, die dachten: Warum eigentlich nicht?
Wir gehörten dazu.
In Las Palmas lag das Schiff im Hafen, groß, blau, ein bisschen absurd. Beim Einchecken dieses Kribbeln: Was haben wir da eigentlich gebucht?

Spätestens in der Kabine war klar: Das hier wird gut.
Und dann diese Menschen. Kein typisches Kreuzfahrtpublikum. Sondern Rucksäcke, barfüßige Gespräche, sofortiges Duzen. Ein Schiff voller Leute, die alle auf dasselbe Abenteuer eingelassen hatten.
Am ersten Abend legte das Schiff ab. Die Lichter von Gran Canaria verschwanden, der Atlantik wurde dunkel. Tisch 26 wurde unser Fixpunkt. Fremde, die in Minuten zu Vertrauten wurden. Gespräche, die nicht aufhörten. Danach Show, Casino, Tanzfläche. Später: schwankend ins Bett, das Meer erledigte den Rest.
Die Tage fanden ihren eigenen Rhythmus.
Ausschlafen. Frühstück. Pool. Gespräche. Noch mehr Gespräche.
Die Animateure tanzten brasilianisch über das Deck, und erstaunlich viele machten einfach mit. Wer Ruhe wollte, zog sich zurück. Wir saßen stundenlang auf dem Balkon und schauten auf Wasser. Delfine, fliegende Fische, ein Horizont, der nie gleich aussah.
Die Bücher im Koffer blieben ungelesen.
Mitten auf dem Atlantik wurde das Meer plötzlich still. Glatt wie Seide. Farben im Wasser, die man nicht erwartet. Keine Welle, nichts Dramatisches – nur dieses Gefühl, genau hier richtig zu sein.
Als wir den Äquator überquerten, taufte Neptun das halbe Schiff. Danach eine Party im Sonnenuntergang. Tanzen, lachen, nichts erklären müssen.

Abends wieder Tisch 26.
Dresscodes wurden ernst genommen oder komplett ignoriert. Halloween endete feuchtfröhlich, albern, unvernünftig. Uhren wurden umgestellt, Staubsauger sabotiert, Erwachsene benahmen sich wie Kinder. Und niemand störte sich daran.
Der Kapitän lud zum Cocktail. Neben geschniegelt gekleideten Gästen standen barfüßige Backpackerinnen. Es passte.
Freundschaften entstanden, die blieben.
Manche begleiten uns bis heute.
Und irgendwann, nach fast 3.000 Seemeilen, lag Salvador da Bahia vor uns. Land. Farben. Wärme. Dieses überwältigende Gefühl, angekommen zu sein – nicht nur geografisch.
Diese Reise war kein Luxus.
Sie war ein Glücksfall.
Nicht trotz der Kreuzfahrt, sondern genau wegen dieser einen, seltsamen, günstigen, völlig untypischen Kreuzfahrt. Ein Schiff, das für neun Tage zu einem kleinen Kosmos wurde.
Und wir mittendrin.

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