Das Wohnmobil stand in Iowa.
Nicht irgendwo, sondern in Forest City – einem Ort, den man nicht sucht und nur findet, wenn man muss. Es sollte nach Las Vegas. Wir waren dazwischen.
Es begann nicht mit einer großen Idee, sondern mit einer Aufgabe. Es war eine Überführung.
Forest City liegt weit weg von allem, was man mit den USA verbindet. Kein Spektakel, kein Anfangsgefühl. Nach der Anreise – Flug, Mietwagen, endlose Straßen – fühlte sich der Ort eher nach Übergang an als nach Start. Vielleicht war genau das der Reiz.

Die Übergabe fand in einem kleinen Landhaus auf dem Fabrikgelände statt. Kaffee, Kekse, freundliche Stimmen. Das Wohnmobil war neu, leer, noch völlig ohne Geschichte. Eine kurze Einweisung, ein paar Unterschriften – und plötzlich hatten wir eine fahrende Unterkunft, die nicht uns gehörte, aber für eine Weile unser Zuhause sein würde.
Dann fuhren wir los.
Am Anfang ging es tatsächlich nur darum, Strecke zu machen. Raus aus Iowa, Richtung Westen.
Landschaft, die weiter wurde, Himmel, der größer wurde. Und dann kamen die Badlands – plötzlich Formen, Farben, Tiefe.
Wir hielten an, stiegen aus, blieben. Ab hier entschieden wir bewusst, wohin wir fuhren und warum.
Im Custer State Park standen plötzlich Esel auf der Straße. Nicht am Rand, sondern entschlossen mitten drauf. Sie schauten uns an, bewegten sich keinen Zentimeter. Erst nachdem wir ihnen etwas zu essen gegeben hatten, trotteten sie gemächlich zur Seite. Kein Ärger, keine Eile. Es war klar, wer hier wartete – und wer Zeit hatte.
Auf dem Weg nach Westen hielten wir mittags irgendwo spontan an. Eine Bar am Straßenrand, davor nur Trucks und Pick-ups. Wir blieben kurz stehen, schauten uns an, zögerten. Dann gingen wir rein. Drinnen saßen ältere Menschen beim Mittagessen, ruhig, freundlich, ganz selbstverständlich. Die Erleichterung kam sofort – und das leise Lächeln darüber, wie schnell man sich täuschen kann.
In Cody, Wyoming, hörten wir als Erstes das Klackern von Sporen auf Holz. Kein Showmoment, kein Event – einfach Alltag.
Beim Horse Sale: Staub, Stimmen, Pferde, Menschen. Wir tranken, was alle tranken – Bloody Mary. Sie war unfassbar stark, kaum runterzubekommen. Die Frauen neben uns tranken sie, als wäre es Wasser.
Abends landeten wir in einer Bar, irgendwann wurde ein Tisch umgedreht, Karten verteilt – Poker. Im Hinterzimmer spielte eine Band, Menschen tanzten, lachten. Wir wurden einfach mitgezogen, aufgefordert, mittendrin. Kein Publikum, kein Außen. Nur ein Abend, der passierte.
Der Yellowstone war überwältigend, im besten Sinne.
Geysire, heiße Quellen, Dampf, Farben, Tiere überall. Büffel blockierten die Straßen, niemand hatte es eilig. Wir sahen fünfzehn Bären. Ein Einheimischer erzählte uns später, er habe hier noch nie einen gesehen.
Das Wohnmobil bestimmte den Rhythmus.
Wir hielten an, wenn es passte. Schliefen dort, wo es ruhig war. Morgens Licht durch die Frontscheibe, abends Kochen mit offener Tür. Innen und außen verschwammen. Alles fühlte sich leicht an.
In Bishop wieder so ein Moment.
Eine Bar, ein erster Blick, ein kurzer Zweifel. Dann waren wir drin – und mittendrin. Fröhlich, offen, laut. Wir lernten an diesem Abend mehr Menschen kennen als sonst in einer Woche.
Die Landschaft wechselte ständig. Ebenen, Berge, Staub, Hitze. Nichts fühlte sich wie Strecke an. Jeder Park, jeder Abzweig war eine Entscheidung – nicht zum Sammeln, sondern zum Erleben.
Und dann war da Las Vegas.
Plötzlich, laut, grell, übertrieben. Wir gaben das Wohnmobil ab. Später gewannen wir 1.000 Dollar. Es fühlte sich überraschend stimmig an.
Was blieb, war das Gefühl, unterwegs gewesen zu sein.
Mit Zeit. Mit Neugier. Mit Freude an dem, was passiert, wenn man losfährt und schaut, was kommt.
Nicht, weil wir etwas gesucht hätten.
Sondern weil etwas bewegt werden musste.

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