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Panama: Besuch bei den Kuna Yala Indianern auf den San Blas Inseln

Die San Blas Inseln

Die San Blas Inseln liegen im Karibischen Meer in der Nähe von Panama Stadt und gehören zu einem autonomen Gebiet der Kuna Yala Indianer. Etwa 25000 Indianer leben auf den rund 365 tropischen, mit Palmen bewachsenen, teils winzig kleinen Inseln, die durch Korallenriffe geschützt sind. Eigentlich sehen die Inseln – die ganz kleinen zumindest – aus wie auf Kinderbildern: eine kleine Insel, 2 Palmen, eine Hängematte, fertig. 🙂

Natürlich wollte ich mir diese Inseln auf unsere Panama Reise nicht entgehen lassen. Vorab war es allerdings nicht ganz so einfach, sich im Internet über die San Blas Inseln zu informieren. Es war zwar klar, dass es mehrere Inseln gab, auf denen man übernachten konnte und man konnte dies teilweise sogar über booking.com buchen, aber die Preise waren irrwitzig hoch. Darüber hinaus sollte man in einem bunten Wurfzelt übernachten, die – wie auf den Bildern zu sehen – wie an einer Perlenkette am Strand aufgestellt waren. Das erschien mir fragwürdig und so beschlossen wir, das ganze Thema erst von Panama City aus weiter zu verfolgen.

Buchung

In unserem Hostel in Panama City stöberten wir dann weiterhin etwas überfordert durch die ausliegenden Angebotsheftchen. Es gab einfach zu viele Inseln zur Auswahl, viele mit Wurfzelten und insgesamt waren uns die 300 US Dollar pro Person für einen 2 tägigen Ausflug vor allem zu teuer, so dass wir schon überlegten, den Trip ausfallen zu lassen. 

Unsere Rettung waren 2 Isländer (!). Die beiden schippern mit ihrer Segelyacht regelmäßig Touristen von Panama nach Kolumbien (auf dieser Strecke gibt es tatsächlich keinen Landweg) und boten uns, während wir gerade wieder San Blas Prospekte studierten, ihre letzte Masterkajüte für den nächsten Trip an. Das mussten wir zwar leider dankend ablehnen, aber die Jungs waren San Blas Profis und hatten die perfekten Tipps für uns! Der beste Tipp war definitiv, kein Komplettpaket zu buchen, sondern die Jeepfahrt zum Hafen, sowie die Bootsfahrt und die Übernachtungen getrennt zu organisieren. Das sollte uns jede Menge Geld sparen. Darüber hinaus verrieten sie uns ihre Lieblingsinsel: Chichime! 

Dann bekamen wir von den beiden noch die Nummer vom Anbieter der Jeeptour und buchten uns dort für den nächsten Tag ein (Bootsfahrt und Übernachtung wollten wir jeweils erst vor Ort organisieren). Die Jeeptour hin und zurück kostete uns 55 US Dollar pro Person. Nach einer kurzen Nacht konnte das Abenteuer am nächsten Morgen um 5 Uhr endlich beginnen!

Anreise

Halb verschlafen stiegen wir eigentlich noch mitten in der Nacht in den Jeep ein und fuhren durch das morgendliche Panama City. Unterwegs sammelten wir in anderen Hostels noch weitere Mitfahrer ein. Wir bekamen dann noch die Möglichkeit, in einem riesigen Supermarkt Frühstück und Proviant für den Tag zu besorgen. 

Nachdem wir die Hauptstraße von Panama City Richtung Süden nach einer Weile verlassen haben, bogen wir Richtung Osten ab und überquerten viele hohe grüne Regenwälder, bis wir nach etwa 2 bis 2,5 Stunden die Grenze der autonomen Kuna Yala Region erreichten. Dort mussten wir unsere Pässe vorzeigen und eine Gebühr in Höhe von 22 US Dollar pro Person zahlen. Dann ging es noch ein Stück weiter bergab durch den Regenwald, bevor wir endlich am Hafen der Kuna Yala Indianer standen. 

Die Grenzstation

Dort herrschte ein hektisches Treiben. Touristen und Einheimische mischten sich bunt durcheinander. Da wir ja noch kein Bootsticket hatten, geschweige denn eine Ahnung wo wir hin müssen, war unser Jeepfahrer so freundlich, uns etwas zu unterstützen. Er führte uns zu einem der vielen Stege, wo er einer älteren Dame mitteilte, dass wir gerne nach Chichime Island fahren möchten. Die Dame mit all ihren vielen Einkäufen schaute uns unbeeindruckt an und setzte gleich wieder zum Geschnatter mit ihren Sitznachbarn an. Sie war nun wohl unsere Bezugsperson und wir ließen sie besser nicht mehr aus den Augen. Dann hieß es warten.. viel warten.. zwischendrin setzte ein heftiger Platzregen ein, der sogar einen riesigen Baum nicht unweit von uns zum umstürzen brachte. Zum Glück waren wir da nicht schon auf dem Wasser.

Die Bootsfahrt

Nach einer gefühlten Ewigkeit rief es irgendwoher „Chichime!“ und wir folgten unauffällig der älteren Dame, die sich gemütlich in Richtung eines der kleinen Boote bewegte. Wir zahlten 25 US Dollar für Hin- und Rückfahrt und los ging die Fahrt ins Ungewisse. Mir war langsam etwas unwohl bei dem Gedanken gleich auf einer winzigen Insel mitten im Nichts auszusteigen. Keiner wusste, dass wir kommen, vielleicht war ja auch kein Bett mehr frei? 

Ich schob den Gedanke beiseite, als das kleine Boot sich aus dem Hafen bewegte. Es gab ordentlich Gas und wir flogen über das Wasser. Unterwegs sahen wir unzählige kleine wunderschöne Inseln an uns vorbeirauschen, jede vollgepackt mit Palmen, mache bewohnt, manche unbewohnt. Das Boot hielt an manchen Inseln an und unsere Mitfahrer wurden weniger. Selbst die ältere Dame ging von Bord, aber nein, nein, das ist noch nicht Chichime, wir sollen weiterfahren. Jede Insel sah anders aus, jede absolut traumhaft. Die Natur hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet! Ich konnte es nicht mehr abwarten und wollte endlich von Bord! Irgendwann saßen wir dann alleine mit dem Fahrer im Boot und das nächste Ziel hieß Chichime.

Chichime Island

Mit einem breiten und dicken Lächeln im Gesicht legten wir an der Insel an. Das Wasser hatte eine märchenhafte türkise Farbe, der Sand war weiß, es gab unzählige Palmen und nicht weit entfernt ankerten einige Segelyachten. Wir schienen im Paradies angekommen. Der Besitzer der Insel, Ramon, sein Sohn sowie der Inselhund begrüßten uns am Steg. Jetzt mussten wir nur noch irgendwie bleiben können. 

Ramon führte uns an seine „Rezeption“, eine kleine Hütte, die auch gleichzeitig sein Kiosk war. Bier, Wein, Snickers, laut Tafel sollte dies auf der Insel jedenfalls nicht fehlen. Wir erfuhren, dass wir die einzigen Gäste waren und alle Hütten verfügbar. Er bot uns für 40 US Dollar pro Person jeweils ein Bett in seiner Mehrbetthütte an, also 80 US Dollar für uns pro Tag. 3 Mahlzeiten am Tag waren im Preis inbegriffen. Wir versuchten dennoch ein wenig zu verhandeln und fragten, was 3 Nächte kosten würden. Ramon kramte seinen Taschenrechner hervor und tippte ganz fleißig darauf herum, so dass wir uns schon auf einen kleinen Rabatt freuten. Völlig unbeeindruckt zeigte er dann: 80 x 3 = 240 Dollar, fertig. Das war wohl nichts. Und wenn man die denkbar schlechte Ausgangsposition für Verhandlungen bedenkt, (kein Handyempfang, das einzige Boot weit und breit gehört ihm und die einzigen Betten weit und breit ebenfalls) beschlossen wir das Angebot anzunehmen und eben nur 2 Nächte zu bleiben. 

Wir bezogen also unsere Strohhütte und erkundeten das kleine paradiesische Eiland.

Die Unterkunft

Ramon hat sämtliche Hütten von Hand gebaut. Diese waren daher natürlich kein Vergleich zu den Wurfzelten auf den vielen anderen Inseln. Die Hütten standen direkt am Wasser und hielten jedem Regenguss stand. In den Hütten standen die Betten direkt im Sand, die Bettwäsche war tiptop sauber und somit war alles perfekt. Dusche und WC befanden sich etwas abseits der Hütten und waren ebenfalls vollkommen in Ordnung. Allerdings war es für mich gerade in windigen Nächten auf dieser abgelegenen Insel eine echte Herausforderung, aber auch ein wunderschönes Erlebnis, in gefühlter völliger Einsamkeit unter wehenden Palmen die Toilette aufzusuchen. Aus Furcht vor herabfallenden Kokosnüssen hielt ich besser auch jedes Mal meine Hände über dem Kopf zusammen. Ach, wie schön war es, wieder in die Hütte zurückzukommen.  

Es gab Mehrbetthütten sowie Privathütten für 2 Personen für 10 US Dollar Aufpreis pro Person. Da wir die einzigen Gäste von Ramon waren, haben wir uns die Zusatzkosten gespart. Das haben wir später etwas bereut, da sich im Mehrbettzimmer ein Nest Sandflöhe befand, die uns die Nächte etwas zur Hölle gemacht haben.

Vor unser Tür wachte permanent der süße Inselhund, der uns eigentlich während unseres gesamten Aufenthaltes verfolgte.

Das Essen 

Vor jedem Mittag- und Abendessen wurden wir von Ramon gefragt, ob wir Fisch, Hühnchen oder Langusten wollten. Die von uns gewünschte Languste hatte er aber erst am 2. Tag fangen können und somit gab es an Tag 1 Fisch. Ramons Frau war in Anbetracht der begrenzten Möglichkeiten wahnsinnig kreativ beim Kochen. Die Beilagen waren immer andere, auch die standardmäßig beigefügten Bananen, wurden zu jeder Mahlzeit unterschiedlich zubereitet. Zum Frühstück gab es eine Art Egg McMuffin und am Tag danach Pancakes mit Marmelade. 

Wenn das Essen zubereitet war, wurden wir mit einem Pfiff durch eine Muschel in eine größere Hütte gerufen. Zum Abendessen kam dort Ramons gesamte Familie zusammen und schaute Fernsehen. 

In Ramons Kiosk versorgten wir uns dann tatsächlich mit Wein und Bier. Seine riesige Kühltruhe war bis oben mit Bierdosen gefüllt. Bei jedem Öffnen huschte ein stolzes Lächeln über sein Gesicht. Nur an das Snickers kamen wir nicht heran. Mehrmals am Tag fragten wir seine Tochter danach, aber sie kicherte jedes Mal nur verlegen. Ich schätze, sie weiß bis heute nicht, was wir eigentlich genau wollten. 

Die Tage auf Chichime Island 

In etwa 20 Minuten hat man Chichime zu Fuß umrundet. Ich kann nicht mehr sagen, wie oft wir die Insel umrundet haben, aber es war oft. 🙂 Zwischendrin sprangen wir immer mal wiede ins warme Wasser und versuchten uns abzukühlen. Die panamaische Hitze sowie die extrem hohe Luftfeuchtigkeit schaffen schnell gefühlte Temperaturen über 40 Grad Celsius. Da kommt einem jede Abkühlung recht. Und so waren wir froh, dass am anderen Ende der Insel noch eine 2. Familie wohnte, bei der wir mehrmals am Tag für ein kaltes Getränk einkehrten. Wir verbrachten auch viel Zeit in den unzähligen Hängematten, die überall auf der Insel hingen und dazu einluden, ein Päuschen einzulegen.

In der wunderschönen Unterwasserwelt konnten wir nicht genug vom Schnorcheln bekommen. Die Schnorchelausrüstung haben wir uns extra noch in Panama City zugelegt. Es hat sich gelohnt. Überall bunte Fischschwärme und Seesterne. Außerdem bin ich einem ziemlich großen Rochen begegnet, der Hammer!

Man hätte mit Ramon auch Ausflüge auf Nachbarinseln machen können, aber die Zeit verging wie im Fluge. Von daher sahen wir dafür keine Notwendigkeit. Das ist sicherlich eine schöne Alternative, wenn man noch länger bleibt.

So spazierten wir durch die Gegend, schnorchelten und dösten am Wasser, lauschten der Natur und lebten das Motto „warten bis die Muschel (zum Essen) pfeift!“.

Nach nur 2 Nächten war es schon wieder Zeit für die Abreise. Obwohl die Zeit wie im Fluge verging, erschien es mir wie eine Ewigkeit. Die heißen Nächte ohne Klimaanlage mit unendlich vielen Flohbissen haben auch etwas an unseren Kräften gezerrt, sodass die Abreise mit einem lachenden und einem großen weinenden Auge erfolgte. Ich hoffe, ich werde irgendwann noch einmal die Gelegenheit bekommen, dieses wunderschöne Fleckchen Erde ein weiteres Mal zu besuchen. 

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