Reiseberichte

Zu Gast bei den Uros auf den schwimmenden Schilfinseln im Titicacasee!

Die schwimmenden Schilfinseln im Titicacasee

Der Titicacasee liegt hoch oben in den Anden, ca. 3.820 m über dem Meeresspiegel. Der westliche Teil gehört zu Peru, der östliche zu Bolivien. Vor Puno, einer Stadt im westlichen Teil des Sees, leben die Uros, eine ethnische Gruppe Indigener, auf ihren etwa 90 selbstgebauten schwimmenden Schilfinseln. In einen Bericht über die „gefährlichsten Schulwege der Welt“ wurde ich das erste Mal auf die Schilfinseln der Uros aufmerksam und konnte es seitdem kaum erwarten, die Inseln mit meinen eigenen Augen zu sehen. Zu unvorstellbar erschien es mir, dass die Inseln nur aus Schilf gebaut sein sollten. 

Da ich die Details einer Reise meist nur grob im Voraus plane, entdeckte ich auch erst kurz vor unserer Ankunft in Puno, dass man auf einigen der schwimmenden Inseln auch übernachten kann. Man konnte tatsächlich einfach so auf booking.com eine Nacht bei den Uros buchen! Da konnte ich natürlich nicht nein sagen! Wir entschieden uns für die  Uros Qhantany Lodge. Es erschien mir zwar etwas rätselhaft, wie wir die Insel erreichen sollten, überlies dies aber zunächst dem Schicksal und wartete ab. Kurz darauf meldete sich Wilber per Email um zu fragen, wo er das Taxi hinschicken soll, dass uns abholen wird. Wir nannten ihm unser Hotel in Puno und verabredeten uns für den nächsten Tag um 10 Uhr. Was für ein Service!

Am nächsten Morgen stand pünktlich der Taxifahrer vor der Tür und fuhr mit uns durch die Straßen von Puno in Richtung Titicacasee. Aber nicht zum Hafen, sondern raus aus der Stadt, entlang vieler einsamer Straßen, sodass mir doch leicht mulmig zumute war, ob das alles wirklich eine gute Idee war. Kurz nachdem wir die ersten Schilffelder passierten, bogen wir ab und standen plötzlich am Ufer des Titicacasee. Dort wurden wir von einem herzlich lachenden Wilber auf seinem Boot empfangen, das uns zu seiner Insel bringen sollte. 

Ankunft bei Deliand und Wilber

Während der etwa 20 minütigen Fährt vorbei an den dichten Schilffeldern und den ersten Inseln, erfuhren wir von ihm, dass auf den 90 Inseln 386 Familien wohnen und insgesamt derzeit etwa 1.400 Menschen auf den schwimmenden Schilfinseln leben. 

Fasziniert von den vielen ersten Eindrücken erreichten wir unter strahlendem Sonnenschein unser Zuhause für die nächsten 24 Stunden. Deliand empfing uns ebenso wie ihr Mann mit einem herzlichen Lachen und offenen Armen. Nicht nur die Insel, sondern auch fast alles darauf, bestand aus Schilf: die Hütten, die Dächer, das Boot, der Aussichtsturm, die Sonnenschirme, usw.. Während die Inseln in etwa 35 Jahre halten, bevor sie erneuert werden müssen (der Neubau dauert 1,5 Jahre), müssen die Dächer der Hütten etwa alle 6 Monate ausgetauscht werden. Auch Boote halten in etwa nur 8 Monate. Für den Neubau eines Bootes benötigen die Uros mit 4 Männern etwa 2 Wochen. Über den Bau einer Insel und das Leben der Uros sollten wir aber am Abend in der „Uros-Schule“ noch mehr lernen.

Der Tag bei den Uros

Nach einem kurzen Rundgang über die Insel und einem kurzen Blick in unsere wunderschöne Unterkunft für die Nacht, hatte Wilber schon wieder einen Ausflug mit uns geplant. Um uns vor der Hitze des Tages auf dem Wasser zu schützen bekamen wir 2 Hüte aus – genau.. Schilf, und bestiegen mit ihm das selbst gebaute traditionelle Schilfboot. 

Vorbei an den anderen Inseln, paddelte Wilber uns zu seinem Fischfang-Netz, an dem aber wohl zuvor schon sein Bruder alle Fische gefangen hatte und somit kein Fisch mehr im Netz war. Die Fahrt ging weiter in das Schilf hinein, welches den Uros nicht nur als Baumaterial, sondern auch als Snack für Zwischendurch dient. Sie nennen es scherzhaft die Uros-Bananen, welche wir natürlich auch probieren durften und die etwas nach Lauch schmeckten. Um das Schilf zum Bauen zu verwenden, muss es nach dem Ernten zunächst 2 Wochen trocknen.

Während unseres kleinen Ausflugs hatte Deliand unser Mittagessen zubereitet. Nach einer Suppe als Vorspeise gab es als Hauptgericht „Trucha“, Seeforelle aus dem Titicacasees und eine Spezialität der Region, sehr zu empfehlen! Auch im Esszimmer ist übrigens fast alles aus Schilf, wie z.B. die gerollten Schilfmatten, die als Bank dienen. All die bunten Decken und Wandbilder, die die Räume schmückten, wurden von Deliand und ihrer Schwester selbst genäht. Ihre gesamte Nähkunst wurde nach dem Essen noch vor uns auf dem Inselboden ausgebreitet. Wir konnten natürlich nicht widerstehen und kauften ihr und ihrer Schwester noch 2 Kissenbezüge ab.

Zur weiteren Belustigung des Tages steckte uns Deliand in traditionelle Uros-Kleidung und machte anschließend, schwer vergnügt über ihr Werk, unendlich viele Fotos von uns. Bis zur Uros-Schule vor dem Abendessen entspannten wir uns dann in den Sonnenstühlen und genossen den Blick auf den Titicacasee und die faszinierende Umgebung.

Die Uros-Schule 

Nachdem am späten Nachmittag noch 2 weitere Gäste auf die Insel kamen, lud Wilber uns vor dem Abendessen alle zusammen auf seine „Schulbank“ ein, um uns noch mehr über das Leben der Uros zu lehren. Gemeinsam lauschten wir alle 4 in dicke Decken gehüllt gebannt seinen Ausführungen, während die Nacht hereinbrach und einen hellerleuchteten  atemberaubenden Sternenhimmel mit sich brachte. 

Der Bau einer Schilfinsel

Insgesamt sind die schwimmenden Schilfinseln etwa 3 Meter dick. Die Grundlage einer jeden Schilfinsel bildet die Wurzelmasse des Tortora-Schilfs, welches in ganzen Blöcken ausgeschnitten und anschließend miteinander verbunden wird. Darüber wird das getrocknete Schilf in mehreren Schichten ausgebreitet. Da sich das Schilf mit der Zeit abträgt, muss auf der Insel regelmäßig neues Schilf ausgebreitet werden. Auch müssen die Häuser jedes Jahr neu unterfüttert werden, damit sie nicht absacken. Wie oben schon erwähnt, dauert der Neubau einer Insel etwa 1,5 Jahre. An Wilbers kleinem Inselmodell lässt sich das System gut erkennen. 

Die Bedeutung des Namen Titicacasee

Titicaca ist in der Sprache der Aymara aus zwei Wörtern zusammengesetzt, „Titi“ bedeutet „Puma“, „kaka“ heißt grau. Für die einheimische Bevölkerung sieht der Titicacasee auf der Landkarte von oben betrachtet aus wie ein Puma, der einen Hasen jagt. Wer sieht ihn? 

Das Leben von Deliand und Wilber

Während die meisten Uros vom Fischfang leben, leben Wilber und Deliand seit einigen Jahren ausschließlich vom Tourismus. Insgesamt haben sie 7 Hütten, die sie vermieten können. Der Sohn der beiden sitzt dennoch jeden Tag 4-5 Stunden vor einem kleinen Loch inmitten der Insel, das bis zum See hinunter geht und fängt Fische für die Familie. Die Tochter geht noch zur Schule, zu der sie jeden Tag alleine mit dem Schilfboot paddelt.

Die Nacht bei den Uros

Am Titicacasee fühlt es sich an, also ob man an einem Tag 4 Jahreszeiten erlebt. Während es am Mittag bei Sonnenschein um die 30 Grad heiß war, kühlte es am Abend deutlich ab, in der Nacht waren es dann nur noch Temperaturen um die 0 Grad. Entsprechend viele Decken lagen in unserem Bett bereit. Nachdem wir vom Abendessen zurück in unsere Hütte kamen, hatte Deliand glücklicherweise noch 2 Plastikflaschen mit heißem Wasser unter unsere Bettdecken gelegt. Es war somit fast unerträglich heiß, steckte man jedoch einen Fuß aus den Decken heraus, drohte dieser sofort abzufrieren. Entsprechend unangenehm war der nächtlich Gang zum Toilettenhäuschen. Da die Uros seit einigen Jahren Solarstrom auf ihren Inseln nutzen, war der Weg in der Nacht zumindest beleuchtet.

Der Tag der Abreise 

Für den späten Vormittag war unsere Abreise geplant. Bis dahin genossen wir noch das Frühstück, was Deliand uns zubereitet hatte und verbrachten anschließend die letzen Stunden in der Sonne sitzend in unseren Liegestühlen. Wilber saß in der Zeit neben uns und flechte 2 kleine Uros-Boote aus Schilf, die er uns anschließend schenkte. Ich habe die beiden Boote immer noch im Küchenregal liegen, sie erinnern mich fast täglich an die schöne Zeit bei den beiden. 

Zum Abschied gab es noch ein paar gemeinsame Fotos und jede Menge Umarmungen, bevor uns Wilber wieder zurück zum Festland fuhr, wo ein Taxi auf uns wartete, was uns zurück in die Stadt brachte.

Anreise

Flüge von Deutschland nach Lima

Ich hatte das Glück mit einem Error Fare von Amsterdam nach Lima und zurück für 275 Euro fliegen zu können. Im Normalfall müsst für Flüge von Deutschland nach Lima jedoch mindestens mit 600 – 700 Euro rechnen. Die beste Übersicht findet ihr wie immer bei skyscanner.de.

Von Lima mit dem Flugzeug

Der Flughafen Juliana (JUL) liegt nur 50 km von Puno entfernt. Mehrmals täglich gibt es Direktflüge von und nach Lima (LIM).

Von Cusco mit dem Flugzeug

Da sich der Machu Picchu in der Nähe von Cusco befindet, macht es für alle, die sich auch den Machu Picchu anschauen möchten, Sinn, über Cusco nach Puno anzureisen. Von LATAM gibt es täglich Direktflüge auf dieser Strecke.

Vom Cusco mit der Bahn

Die schönste Möglichkeit von Cusco nach Puno zu reisen ist sicherlich mit dem Zug. Die Zugstrecke gilt als eine der schönsten der Welt. Entsprechend hoch sind jedoch die Preise und die Strecke ist oft ausgebucht. Weitere Infos findet ihr unter perurail.com.

Von Cusco mit dem Bus

Die günstigste Alternative ist mit dem Bus von Cusco nach Puno zu fahren. Die Straße verläuft an vielen Teilen entlang der Bahnstrecke. Ihr bekommt also fast das Gleiche wie bei der Zugfahrt zu sehen. Die Busse sind jedoch um ein Vielfaches günstiger. Es gibt auch Tourenanbieter, die auf der Busstrecke Stops an den schönsten Punkten einbauen, so dass ihr nicht an allen Highlights einfach vorbeifahrt. Die Tickets könnt ihr in fast jedem Reisebüro in Cusco kaufen.

Von La Paz mit dem Bus

Möchtet ihr von Bolivien aus anreisen, gibt es auf der Strecke ebenfalls jede Menge Verbindungen über Copacabana. Die Stadt liegt auf bolivianischer Seite am Titicacasee. Von Copacabana aus könnt ihr mit dem Boot zur Isla del Sol fahren. Ein Zwischenstopp, der sich meiner Meinung nach durchaus lohnt.

Höhenkrankheit

Da der Luftdruck am Titicacasse aufgrund der Höhe geringer ist, verringert sich die Sauerstoffaufnahme in der Lunge und es tritt eine Sauerstoffunterversorgung ein. Der Körper reagiert auf den fehlenden Sauerstoff, indem er versucht schneller zu atmen, um mehr Sauerstoff zu bekommen. Kann der Körper sich nicht rechtzeitig anpassen, besteht die Gefahr an der Höhenkrankheit zu erkranken. Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Müdigkeit sind dann u.a. die Symptome.

Schon als ich in Cusco, das sogar „nur“ auf 3.400 m liegt, aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich sofort gemerkt, dass die Luft dünn wird. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und es weitestgehend zu ignorieren. Doch schon nach ein paar Metern zu Fuß war ich permanent fix und fertig gewesen. Es ist also durchaus ratsam, mindestens einen Ruhetag nach der Anreise einzuplanen, damit sich der Körper langsam an die Höhe gewöhnen kann.

Trotz der Akklimatisierung in Cusco war ich auch nach der Ankunft in Puno, welches noch einmal 400 m höher liegt, erneut von der Höhenkrankheit betroffen. Ich kann euch daher nur empfehlen, genug Zeit zum Ausruhen einzuplanen, viel zu trinken und weitestgehend auf Alkohol zu verzichten. 

Es sich sicherlich auch ratsam, sich vor der Abreise bei einem Arzt oder Apotheker über die Höhenkrankheit zu informieren. Gegen diese gibt es vorbeugende Medikamente.  

Tipp

Wenn ihr schon in der Gegend seid und noch etwas Zeit habt, empfehle ich euch von Lima aus zu den Galapagos-Inseln in Ecuador zu fliegen. Ein ebenso einmaliges Erlebnis. Weitere Informationen dazu findet ihr in meinem Reisebericht „DIE GALAPAGOS INSELN, EINE WELT AUS EINER ANDEREN ZEIT!“

Unnützes Wissen aus Peru

Aufgrund der hohen Schwefelkonzentration im Boden der Anden, gibt es in Peru Hühner, die Eier mit blauer Schale legen.
Lust auf noch mehr unnützes Wissen aus der von mir bereisten Welt?


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